Des Satans alte Kleider

Lasst hier bloß keine „Ketzer“ rein!

Graf Magnis hatte sich Verstärkung geholt. Einen leibhaftigen Domkapitular hatte er mitgebracht: Wilhelm Heinz, in der Diözese Würzburg für „Seelsorge“ zuständig, dazu den Medienreferenten Berthold Lutz und den Chef der Pressestelle der Diözese, Werner Häußner. Und der Graf hatte auch ein „Beweisstück“ dabei: einen Rettich, erworben einige Tage zuvor am Marktstand des von Nachfolgern des Jesus von Nazareth betriebenen Hofes in Arnstein. Nach ein paar Tagen sah der Rettich natürlich nicht mehr ganz so frisch aus – was den Reporter der Deutschen Presseagentur prompt dazu veranlasste, ihn als „ausgesprochen mickrig“ zu bezeichnen. Was dann wiederum im Ingolstädter Donau-Kurier (am 17.7.1984) zu der „ausgesprochen“ hämischen Überschrift führte: „Ein mickriger Radi als Beweis für Geschäfte im Namen Jesu“.

Die betrieblichen Aktivitäten der Christusfreunde waren in der Bischofsstadt Würzburg natürlich nicht unbemerkt geblieben. Der erste Marktstand, an dem Gemüse aus ökologisch kontrolliertem Anbau verkauft wurde – und dann auch noch „Ketzer“! Nicht etwa nur Protestanten, daran hatte man sich ja 400 Jahre nach ihrer Vertreibung durch Bischof Julius Echter ganz allmählich wieder gewöhnt – nein: richtige „Ketzer“! Durch Gabriele hatte Christus das Universelle Leben gegründet und alle diejenigen, die Seine Lehre ernst nehmen wollen, dazu aufgefordert, sie Schritt für Schritt in allen Lebensbereichen umzusetzen – auch im Erwerbsleben. Die ersten, noch zaghaften Anfänge waren gemacht worden: ein Bauernhof, zwei kleine Bäckereien, ein vegetarisches Restaurant und ein Zusammenschluss mittelständischer Handwerksbetriebe unter der Bezeichnung „Wir sind für Sie da!“. Einige Christusfreunde waren in Aktion getreten – und die Kirche reagierte. Denn sie kann ja nur mehr reagieren auf das, was aus der geistigen Welt vorgegeben wird. Zum Agieren im Sinne des Nazareners hätte sie fast 2000 Jahre Zeit gehabt.

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