Des Satans alte Kleider

Manche finden immer was zu meckern

Und wie reagiert die Öffentlichkeit? Wird das Beispiel geschildert, gelobt, weiterempfohlen? Geben sich Fernsehteams, öffentlich-rechtlich wie privat, die Klinke in die Hand? Wird das ermutigende Beispiel in Fachzeitschriften diskutiert, auf Kongressen vorgestellt?

Nichts von alledem. Im Gegenteil!

Die Leserin, der Leser, möge einmal kurz inne halten und sich das vorstellen: Es passiert tatsächlich das Gegenteil! Die Lokalpresse mäkelt, sofern sie überhaupt von dem Landschafts-Experiment Notiz nimmt, allenfalls an den Zäunen herum, die – von Amts wegen! – um Aufforstungen und Obstanlagen herum errichtet werden mussten. Das Bayerische Fernsehen, traditionell kirchenhörig, erscheint zwar mehrfach, aber nicht, um das krabbelnde und zirpende Leben rund um neu angelegte Hecken aufzunehmen, o nein: Sie rücken als erklärte Gegner an und verhöhnen die Nachfolger des Jesus von Nazareth als „obskure Psychosekte“, die sich aus Angst vor dem „Weltuntergang“ auf einem Bauernhof „verschanzt“ habe. Im Grunde ist es das alte „Waco-Märchen“, das hier recycelt wird – und dessen Erfinder, „Pfarrer“ Behnk, darf auch gleich persönlich das Fernsehpublikum „warnen“: „Obskure Seelenfänger versuchen immer häufiger, über die Esoterik und Ökoszene Menschen anzulocken.“132)

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Religionsfreiheit in der Mitte Europas in vielerlei Hinsicht noch immer nur auf dem Papier steht: Hier ist er. Was auch immer ein „Ketzer“ tut, ist von vorneherein immer falsch und des Teufels. An diesem ungeschriebenen Gesetz hat sich seit dem Mittelalter kaum etwas geändert. Verwunderlich ist nur, dass immer noch so viele glauben, sie müssten sich unbedingt daran orientieren. Die Seelen, die die Kirchen seit Jahrhunderten durch Angstmache und Psycho-Manipulation gefangen haben, kleben noch immer wie die Fliegen an deren obskuren Dogmen und Verdammungsurteilen.

Und wenn man einmal zugeben müsste, dass das, was die „Ketzer“ tun, tatsächlich vorbildlich ist, rettet man sich in die abfällige Bemerkung: Die tun das doch nur, um Mitglieder einzufangen! Sie huldigen einer Modeerscheinung, um ihr Prestige aufzumöbeln und Spenden zu sammeln! Die verkaufen doch nur deshalb hochwertige und wohlschmeckende Nahrungsmittel, weil sie Geschäfte machen wollen!

Merke: Ein „Ketzer“ kann – aus Sicht der Kirche – gar nichts Positives aus innerer Überzeugung tun. Denn er ist ja entweder selbst durch und durch böse – oder von „bösen“ Menschen fehlgeleitet.

Im Grunde schließen die Theologen und ihre Helfershelfer hier wieder von sich auf andere: Wie ist es denn um ihre inneren Überzeugungen bestellt? Welche Ideale haben sie eigentlich noch? Und wie viele Pfarrer und Theologen gibt es denn, denen Natur und Tiere nicht nur ein Herzensanliegen sind, sondern die dafür auch noch öffentlich eintreten – bis hin zum eigenen Verzicht auf Fleischnahrung?

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