Für den Bischof von Würzburg, den untersetzten Westfalen Paul-Werner Scheele, war das Heimholungswerk Jesu Christi im Jahr 1981 kein unbeschriebenes Blatt mehr. Schon längst hatte er seine Spitzel in die Veranstaltungen der neuen Bewegung geschickt. Seit März 1977 mieteten die „Christusfreunde“, wie sie sich auch nannten, regelmäßig einen Saal in der Würzburger Semmelstraße – der Straße, in der traditionell im August die urkatholische Wallfahrt zum Kreuzberg endet. Und wo kamen sie da unter? Bei der SPD! Wenn das nicht ins Bild passte: Die politischen „Ketzer“, die „Roten“, gewährten den religiösen „Ketzern“ im tiefschwarzen Würzburg Versammlungs-Asyl!
Eine größere „Gefahr“ schien von diesem Zirkel aus katholischer Sicht zunächst nicht auszugehen. Regelmäßig versammelten sich dort nicht mehr als etwa 20 Personen. Nicht nur durch Gabriele, sondern auch durch weitere Wortträger offenbarten sich während dieser Versammlungen Jesus Christus sowie verschiedene Engelwesen wie der Träger des göttlichen Willens oder der Träger des göttlichen Ernstes. Sie taten sich über viele verschiedene Themen kund, etwa über den Aufbau der Seele, über das Leben nach dem Tod, über die Kraft des Gebets; vor allem aber informierten sie über den Weg nach Innen, den jede Seele und jeder Mensch gehen kann, der sein Herz für Gott öffnet.
Die Kirche denkt in langen, sehr langen Zeiträumen. Sie hat schon viele neue Glaubensbewegungen kommen und gehen sehen. Erst mal abwarten, heißt die Devise. Nur nicht zu rasch angreifen, vor allem in der heutigen Zeit, in der man bei „Abweichungen“ vom „rechten Glauben“ nicht wie früher einfach nach dem Scheiterhaufen rufen kann. Wer zu früh angreift, wertet den Gegner unter Umständen auf und verschafft ihm dadurch weiteren Zulauf. Vielleicht läuft es sich ja von selber tot ...
Womit die Kirche aber nicht rechnete: Auch die geistige Welt, die hinter dieser noch unscheinbaren kleinen, äußerlich noch sehr jungen Bewegung stand und steht, denkt in langen, in sehr langen Zeiträumen. Bereits vor Tausenden von Jahren hatten die großen Gottespropheten wie Jesaja, Jeremia oder Hosea im Namen Gottes gegen die Priesterkaste ihrer Zeit Stellung bezogen, hatten sich gegen die blutigen Tieropfer ausgesprochen, die bis heute im Alten Testament als angeblicher Wille Gottes dargestellt werden1), und hatten bereits das Friedensreich Jesu Christi angekündigt, in dem der Mensch im Einklang mit seinen Mitmenschen und mit der Natur leben wird. Jesus von Nazareth, der größte Gottesprophet aller Zeiten, rief die Bewegung des Urchristentums ins Leben, die sich wiederum auf das Prophetische Wort als bedeutungsvolle Geistesgabe stützte.
Die Geschichte sowohl des Judentums bis zur Zeitenwende wie auch diejenige des Christentums seither lässt sich lesen als die Geschichte des Kampfes der jeweiligen Priesterkaste gegen die Offenbarung des Gottesgeistes. Die Widersacher Gottes fanden immer wieder Mittel und Wege, zu verwässern und zu zerstören, was aufgebaut worden war. Nicht umsonst fragte Stephanus die Hohenpriester kurz vor seiner Steinigung: „Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt?“ Die meisten der großen Gottespropheten wurden auf Betreiben der Priester angefeindet und verleumdet, etliche misshandelt, einige sogar bestialisch umgebracht.2)
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