Und sie reagierte auf ihre Weise. Bisher hatte sie sich darauf beschränkt, die eigenen „Schäfchen“ möglichst bei der Stange zu halten – durch Artikel im hauseigenen Sonntagsblatt etwa, oder durch die Klammerschriften des Grafen Magnis. Nun kam sie vollends aus der Deckung, schaltete sozusagen einen Gang höher und suchte die breite Öffentlichkeit – was ihr, wie könnte es bei ihren guten Kontakten auch anders sein, auf Anhieb gelang. Die lokalen Presseorgane traten vollzählig zur Konferenz an; das Presseecho erreichte dank dpa ganz Bayern.
Es sei eine „Ausweitung wirtschaftlicher Aktivitäten zu verzeichnen“ (Main-Post), so Graf Magnis mit scheinheiliger Miene, eine „bedenkliche Verquickung von Religion und ‚GmbH & Co’“ (Burghauser Anzeiger) – so, als ob gerade für die Kirche eine „Verquickung“ von Religion und klingender Münze etwas grundlegend Fremdes sei. Doch was soll die Polemik? Es gehört zum offenbar genetisch angeborenen Verhaltensrepertoire eines Inquisitors, durch entsprechende schauspielerische Einlagen auch ganz normale Dinge (oder sind sie gar nicht so normal?) als etwas zutiefst Verwerfliches und zu Verabscheuendes hinzustellen: etwa dass Menschen gemeinsam mit ehrlicher Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen und sich dabei den Luxus erlauben, eine religiöse Überzeugung zu haben – die sie aber bei ihrer Arbeit selbst nicht an die große Glocke hängen.
Sogar das katholische Volksblatt musste zugeben, dass die Kirche hier „eine scharfe Breitseite ... abgefeuert“ habe. Wobei dies aus katholischem Munde eher den Beiklang von „Denen haben wir’s aber gezeigt!“ haben dürfte. Als einzige der berichtenden Zeitungen hielt es die Main-Post für angebracht (auch dieser Restbestand an Liberalität verlor sich allerdings in späteren Jahren), wenigstens in einem Satz etwas aus einer Stellungnahme des Heimholungswerks Jesu Christi zu zitieren. Wären alle anwesenden Journalisten ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen, so hätten sie unschwer ermitteln können, woraus die kirchliche „Breitseite“ bestand: aus gehässiger Polemik, skrupellosen Verdrehungen und glatten Unwahrheiten.
So wird z. B. behauptet, das Heimholungswerk habe eine „Villa“ und einen Bauernhof erworben. In Wahrheit handelt es sich um ein normales Wohnhaus, das, wie der Bauernhof, von Privatpersonen gekauft wurde. Oder es wird behauptet, bei den Gebetsheilungen würden die Heilungssuchenden „mit den Händen bestrichen“. In Wirklichkeit werden diese gar nicht berührt. Beim Weg nach Innen handle es sich um „Selbsterlösung“ (davon kann keine Rede sein) und um eine „Übernahme fernöstlicher Praktiken“ (Fränkische Nachrichten).
Es spricht für sich, dass sich die Kirche eine höhere Weisheit und Spiritualität offenbar nur im Osten vorstellen kann. Wenn jemand tatsächlich eine solche „Übernahme“ besichtigen möchte, dann braucht er nur die Zen-Kurse der Münsterschwarzacher Benediktiner im „Haus Benedikt“ mitten in Würzburg zu besuchen. Aber es gehörte schon immer zu den beliebtesten Methoden der modernen Inquisition, anderen genau das zu unterstellen, was man selber zur Genüge pflegt.
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